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Parkinson-Medikamente können zu zwanghaftem Verhalten führen

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass fast die Hälfte der Parkinson-Patienten, die Dopaminagonisten einnehmen, Impulskontrollstörungen entwickelt.


Spielsucht kann eine Nebenwirkung von Parkinson-Medikamenten sein, schlägt neue Forschung vor.

Die Parkinson-Krankheit ist durch einen Mangel an einer wichtigen Gehirnchemikalie namens Dopamin gekennzeichnet.

Dopamin spielt beim Lernen eine entscheidende Rolle, wird aber auch als Neurotransmitter "Sex, Drugs and Rock 'n' Roll" bezeichnet, da unser Gehirn es freisetzt, wenn wir Lust haben.

Die Produktion von Dopamin kann durch die Einnahme von Medikamenten wie Alkohol, Kokain oder Heroin zu stark stimuliert werden.

Der Neurotransmitter ist also das Herzstück von Sucht- und Impulskontrollstörungen, die von Drogenmissbrauch über Sexabhängigkeit bis hin zu Glücksspielen reichen.

Es wurde festgestellt, dass solche Impulskontrollprobleme bei Parkinson-Patienten üblich sind. Pathologisches Glücksspiel und zwanghaftes Einkaufen sowie zwanghaftes Essen und sexuelles Verhalten wurden bei Parkinson-Patienten dokumentiert.

Die häufig an Menschen mit Parkinson verschriebenen Medikamente sind der Hauptrisikofaktor für ein derart zwanghaftes Verhalten. Da Parkinson einen Dopamin-Mangel aufweist, sind Dopamin-Agonisten - also Arzneimittel, die die Dopamin-Rezeptoren des Gehirns aktivieren - oder das bekannte Levodopa, das sich selbst zu Dopamin macht, die Wahl.

Bislang war es den Forschern jedoch nicht möglich, eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Parkinson-Medikamenten und Impulskontrollstörungen herzustellen. Wie die Autoren der neuen Studie schreiben, fanden einige Studien eine solche Assoziation, andere nicht.

Forscher von Dr. Jean-Christophe Corvol vom ICM-Institut für Hirn- und Wirbelsäulenforschung am Pitié-Salpêtrière-Krankenhaus in Paris (Frankreich) untersuchten, ob eine solche Beziehung in einer großen, longitudinalen Kohorte von Patienten besteht.

Ein größerer Stichprobenumfang und eine längere Nachbeobachtungszeit in der neuen Forschung führen zu verlässlicheren Ergebnissen, wodurch die Diskrepanzen früherer Studien ausgeglichen werden können, erläutern Dr. Corvol und seine Kollegen.

Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift veröffentlicht Neurologie.

Pramipexol und Ropinirol haben das höchste Risiko

Die Forscher untersuchten 411 Personen, die mindestens 5 Jahre vor der Studie eine Parkinson-Diagnose erhalten hatten und mindestens 3 Jahre klinisch beobachtet wurden.

Dr. Corvol und seine Kollegen befragten die Teilnehmer zu Symptomen von Impulskontrollstörungen wie zwangsweise Einkäufe, Essen, Glücksspiele oder sexuelles Verhalten.

Von den 411 Teilnehmern hatten 356 (oder fast 87 Prozent) seit der Parkinson-Diagnose mindestens einmal Dopamin-Agonisten eingenommen. Zu Studienbeginn berichteten 81 Teilnehmer (fast 20 Prozent) über eine Impulskontrollstörung.

11 Prozent gaben an, sie hätten gegessen, 9 Prozent gaben zwanghaftes Sexualverhalten an, 5 Prozent gaben an, zwangsweise eingekauft zu haben, und 4 Prozent gaben an, ein Glücksspielproblem zu haben.

Von den 306 Teilnehmern, bei denen zu Beginn keine Impulskontrollprobleme gemeldet wurden, entwickelten 94 während der Studie ein solches Problem. Nach Ansicht der Wissenschaftler bedeutet dies eine "kumulative Inzidenz von 5 Jahren" für Impulskontrollstörungen von 46 Prozent.

Im Vergleich dazu hatten diejenigen, die die Medikamente noch nie eingenommen hatten, eine Inzidenz von 12 Jahren. Außerdem nahmen 30 Teilnehmer mit zwanghaftem Verhalten während der Studie die Einnahme der Medikamente auf, was ihren Symptomen ein Ende setzte.

Schließlich korrelierten höhere Dopaminagonisten und die Dauer der Behandlung direkt mit dem Risiko, Impulskontrollstörungen zu entwickeln.

Von allen untersuchten Arzneimitteln waren Pramipexol und Ropinirol mit dem höchsten Risiko für zwanghaftes Verhalten verbunden.

Der Lead Researcher kommentiert die Bedeutung der Ergebnisse.

"Unsere Studie legt nahe, dass Impulskontrollstörungen bei Menschen, die Dopaminagonisten einnehmen, noch häufiger sind als wir dachten [...]. Diese Störungen können zu ernsthaften finanziellen, rechtlichen, sozialen und psychologischen Problemen führen."

Dr. Jean-Christophe Corvol

In einem Editorial, das den Artikel begleitete, stellte Dr. Laura S.Boylan von der New Yorker Universität in New York City schreibt: "Diese Störungen können für Neurologen eine Herausforderung sein."

"Die Leute könnten sich schämen, ihrem Arzt von ihren Problemen zu erzählen", fügt sie hinzu. "Sie denken, dass diese Probleme nicht mit ihrer Parkinson-Krankheit zusammenhängen, oder sie betrachten die Störungen nicht als Problem", sagt Dr. Boylan.

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